Welcher Motor

  • Mein alter 5PS Motor ist kaputt und ich brauche einen neuen. Nun wiegen die neuen Motoren alle so um 26 KG. Das sind 8 KG mehr als ich bisher am Spiegel hatte, und das machte sich schon bemerkbar. Da mein Boot für 2 Personen ausgerüstet ist, kommt ohnehin schon einiges an Ladung zusammen. Ich bin mir nicht sicher, wie das Boot auf weitere 8 KG am Spiegel reagiert und was das mit dem Trim macht.


    Meine Frage daher an die Gemeinde: Welche Erfahrungen gibt es mit den schweren Motoren am Spiegel? Ist das noch machbar oder bekommt ihr regelmäßig nasse Füße und das Boot saugt sich fest?


    lg,


    Reinhard

  • Moin.



    Nein, da läuft kein Wasser rein und das Boot saugt sich auch nicht fest. Aber es ist eine Menge Gewicht und zieht ordentlich das Heck runter. Die Kiste wird daruch sehr hecklastig. Meine Ergahrung mit 20 Liter externem Tank in der Backskiste, was zu zusätzlihem Gewicht führt.


    Ich habe sein diesem Jahr einen Torqeedo Travel 1003. Der wiegt 12 Kilo und ich kann keinen Wasserpass wohl etwas runter setzen. ;) Ich werde drüber berichten.


  • Hallo Reinhard,


    die Wahl des neuen Motors solltest du von deinem Revier abhängig machen. Wir empfehlen einen der aktuellen 5 PS Motoren, da somit genug Reserve
    vorhanden ist, um gegen Strom und Welle zügig voran zu kommen. Wir haben einigen Kunden an Gewässern wie z.Bspl. dem Rhein, die mit dem
    leichteren 2 oder 2,5 PS Motor über Grund kaum noch Fahrt machen. Die ca. 8 kg. Mehrgewicht sind dann das geringste Problem.


    Wenn du Ambitionen zu Regatten hast, wäre der Motor eh nicht an Bord. Du fährst dann sicherlich nicht mit Tank und Motor an die Startlinie.
    Da hilft im Zweifelsfall die Ragattaleitung mit den Begleitbooten aus - ist so üblich. Eine Klassenvorschrift, die das Mitführen eines AB`s vorschreibt,
    gibt es nicht.


    Wenn es somit um das sichere Tourensegeln geht, solltest du sicherlich einen aktuellen Motor mit 5 PS wählen - unabhängig vom Fabrikat.


    Digger hat sich im Bereich der Elektroantriebe sicherlich für den optimalen Antrieb entschieden : leicht, stark, autark und einfach zu montieren.
    Für die meisten VA18-Eigner ist das der optimale Antrieb. Sind jedoch längere Strecken revierbedingt oder situationsbedingt zurück zu legen,
    ist der Travel 1003 kein Ersatz für einen Benzinmotor. Die Fahrtzeit / Fahrstrecke ist dann sicherlich zu gering.


    In so fern bitte die persönliche Situation bzw. zukünftige Reviere für sich überprüfen und dann entscheiden.


    FSA

  • Hallo Reinhard,


    wir fahren den kleinen luftgekühlten 2.3 PS Honda Außenborder. Dieser hat für unser Revier (Friesland/Ijsselmeer) bisher immer ausgereicht und ist als Langschafter mit ca. 13kg absolut leicht. Er zieht das Heck also nicht mehr als nötig nach unten.


    Durch die Luftkühlung ist er jedoch bei mehr Gas lauter als wassergekühlte Motoren. Von daher benutzen wir ihn auch meistens nur für die Fahrten vom/zum Liegeplatz. Tagesmotortouren bei fehlendem Wind haben wir damit aber auch schon gemacht ...


    Schönen Gruß
    Frank

  • Danke für eure ausführlichen Beiträge!


    diggerhamburg:
    Hallo Stefan,


    ich hatte von deinem neuen Motor gelesen und mich ein wenig gewundert. Dein Revier ist die Ostsee. In der Schlei würde ich auch keine Probleme erwarten, aber wie geht das mit einem E-Motor auf dem Kattegat? Mit einem bisschen Wind gegenan können 10 Meilen schon richtig lang werden. Du kennst das ja auch bei Ostseewelle gegenan ist man mit 5 PS machnmal froh, wenn man noch 1,5 Kn macht. Wie verhält sich so ein E-Motor, wenn es darauf ankommt? Mit wieviel Reserve rechnest du und wie bist du mit Battie(en) ausgestattet?


    Der Tank macht schon was vom Gewicht, aber bei mir habe ich einen 25L Tank in der Backskiste direkt hinter das Schott gestellt. Damit ist der dichter am Kiel und macht sich nicht so sehr bemerkbar. Bist du denn beim Gesamtgewicht (E-Motor 12KG + Batterie ?? AH= ??kg ) nicht höher als beim Tank (20 Kg + Motor 25 Kg)?


    Im Ijsselmeer gibt es fast an jeder Tonne eine Steckdose, aber wie lange sind die wirklichen Ladezeiten, wenn ich wenigstens eine Reserve von sagen wir mal 2 Stunden Marschfahrt halten will?


    frank
    Hallo Frank,


    In den Kanälen kann ich mir das auch noch gut vorstellen, aber wie kommst du mit deinem 2,3 PS klar, wenn du im Ijsselmeer, in der Fahrrinne im Heeger Meer, oder bei Hack durch Enkhuizens Schleuse mal gegen die Welle musst?


    @FSA
    Ich habe auch über einen 3,5 PS Mercury als alternative nachgedacht (18,5 Kg). Hast du oder sonst jemand Erfahrungen mit dieser Leistungsklasse? Würde eine Sailpower-Schraube einen Vorteil bieten, bei Hack durch die Welle zu kommen?



    lg,
    Reinhard

  • Moin,


    der Motor wiegt inkl. Akku 12 Kilo. Das wars.



    Zu Deiner Frage: Auf dem Kattegat mit einer VA18 Gegenan zu motoren, halte ich für nicht sinnvoll. Besser segeln, denn da hat das Boot mehr Stabilität.


    Ich unterwerfe mich und meine Touren voll der Reichweite des Motors. Mal eben 20 Seemeilen in 5 Stunden motoren ist halt nicht. Dazu fehlt mir aber auch ehrlich gesagt die Lust. Digger ist in erster Linie ein Segelboot. Und in der Vergangenheit bin ich eh zu viele gejockelt. Damit ist Schluss: segeln heisst das Zauberwort ;)

  • Zitat von Talitha

    In den Kanälen kann ich mir das auch noch gut vorstellen, aber wie kommst du mit deinem 2,3 PS klar, wenn du im Ijsselmeer, in der Fahrrinne im Heeger Meer, oder bei Hack durch Enkhuizens Schleuse mal gegen die Welle musst?


    Also bis jetzt hat das auch auf dem Ijsselmeer immer recht gut funktioniert. Bei "extremen" Wetterbedingungen fahren wir allerdings erst gar nicht 'raus. Denn das Ganze soll ja auch noch Spaß machen. Situationen wie "bei Hack durch die Welle" versuchen wir ganz einfach zu vermeiden. Aber selbst bei recht unangenehmer Welle hat uns der Motor bisher immer noch gut geschoben. Wenn auch nicht mit der größten Geschwindigkeit. Aber da ist dann Segeln meist besser als unter Motor komplett durchgeschaukelt zu werden ...

  • frank


    Klar, mache ich auch nicht, passiert aber manchmal, wenn es dann doch etwas dicker kommt als erwartet. Hat dein Motor einen Rückwärtsgang? Etwas problematisch ist bei mir mein (an sonsten sehr geliebtes) Doppelruder. Das Fummeln am Motor ist da immer etwas hampelig. Ich habe mir eine Fernsteuerung an die Pinne gebaut nur zum schalten muss ich an den Motor. Das Drehen zum Aufstoppen wird wahrscheinlich bisweilen schwierig. Mercury's 3,5 er hat leider auch nur einen Gang.


    @Stefan


    Man könnte sich auch eine Reserve über ein oder zwei Ersatzakkus schaffen, sind dann aber auch noch mal 1200 Euro zusätzlich.



    Einen schönen Abend noch,


    Reinhard

  • Hallo Reinhard,


    der Honda 2.3PS hat keinen Rückwärtsgang. Er kann/muss also um 180° gedreht werden. Toll dabei ist die Fliehkraftkupplung, man braucht also keinen Schalthebel zu bedienen. An der VA18 funktioniert das Manövrieren mit dem Motor (zumindest für mich) fast perfekt ...


    Schönen Gruß
    Frank


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    @ Reinhard


    10 Seemeilen gegen an sind mit dem Torqeedo Travel 1003 L nicht realisierbar. Bei voller Leistungsabgabe werden 40 Minuten Betriebszeit angegeben.
    Die ist auf Grund unserer Erfahrung bereits schön gerechnet. Es wird ein Segelboot mit 750 kg angegeben. Nur welche Formgebung des Unterwasserschiffes ?
    Dies hat einen endscheidenen Einfluss auf die Reichweite. Unserer Erfahrung nach sind es effektiv eher knappe 30 Minuten. Auffällig hierbei ist, das die Anzeige
    zum Ende hin noch 10 Minuten Fahrtzeit angibt - diese jedoch bei weiterer Vollast-Fahrt bereits in 7 Minuten vorbei ist - wie gesagt, nur Praxis und keine errechneten Laborwerte. In so fern ist dieser E-Antrieb bestens geeignet um auf Binnenrevieren in die Box zu rangieren oder bei Flaute mal eben schnell nach Hause zu
    motoren. Sobald man längere Strecken unter widrigen Umständen zurücklegen muss, hilft selbst der Zweitakku kaum weiter. Dennoch ist im Bereich der Elektroantriebe der Travel 1003 L das Beste bezüglich Leistung und Handling ! Ein völlig autarkes System ohne großartige Installation und zusätzlichem Gewicht.
    Kurzfristige E-Power - geht nur mit diesem Motor !


    Das reale Gewicht des Motors incl. Pinne, Akku, Sicherungsstift, Magnetschlüssel und eventueller Fernschaltbox liegt bei 14,8 kg.


    Mit 2,3 PS haben wir bei einer Marschfahrt auf der Weser gegen an 1,2 Knoten über Grund gemacht.
    Am selben Schiff mit 5 PS 3,8 Knoten via GPS gemessen. Mit einem 3,5 PS AB haben wir noch keine Erfahrung machen können.


    Also grundsätzlich ist der Travel 1003 L ein "Traum". Abhängig vom Revier kommt man um einen Benziner jedoch nicht vorbei.


    FSA

  • Die Erfahrungswerte von FSA kann ich bestätigen.
    Letzte Saisoin bei 100% Akkuleistung und Wind 7 von vorn auf dem See mit letztem Saft nach 30 min in der Box


    Wir sind froh das wir uns den 1003l gekauft haben mit jedem kleineren hätten wir wohl draussen bleiben muessen
    auf der Ostsee werde ich jedoch auch auf 5PS Benziner
    umschwenken.
    vg Ulf

  • Ich fürchte auch, das die Standard-E-Motoren eher was für die geschützte Badewanne sind. Inzwischen habe ich auch mal nach Generator oder Brennstoffzelle geschaut. Es gibt da eine interessante Seite von RiPower. Kostenseitig ist das aber schnell jenseits des machbaren.


    @Umi
    Das sind genau die Abenteuer, die ich liebe...


    @FSA
    Danke für deinen ausführlichen Bericht. Der schon interessant: 2,3 PS -> 1,2 Kn und 5 PS -> 3,8 Kn das ist bei gut doppelter Leistung die knapp dreifache Geschwindigkeit. Man sieht also, das die evektive Leistung überproportional mit den PS steigt bzw. sinkt. Ist ja auch logisch, weil der Wasserwiederstand mit zunehmender Geschwindigkeit zum Quadrat steigt.
    Was bedeutet, das 2,3 PS etwa 70% weniger Leistung bieten. Das ist zu wenig Reserve bei ungeschützem, vor allem mit zwei Personen und Ausrüstung für mehrer Wochen. Ob ein 3,5er reicht, wird wohl auch nur die praktische Erfahrung zeigen.



    Mal sehen, vielleicht finde ich ja noch einen neueren 2-Takter.



    lg,
    Reinhard

  • Ich bin sicher kein Hydrologe, aber ich kann den Ausführungen nicht folgen.


    Wenn, was ich nicht weiß, der Wasserwiderstand mit zunehmender Geschwindigkeit im Quadrat steigt sollte eigentlich gerade eben nicht mit doppelter Leistungsabgabe die dreifache Geschwindigkeit erreicht werden... oder? Geschwindigkeit 3, benötigte Kraft 3, Geschwindigkeit 6, benötigte Kraft 9 oder? Bei 2,3 PS = 1,2 Knoten und 5 PS = 3,8 Knoten wärs ja grad andersrum. Oder steh ich grad auf dem Schlauch und merke es nicht?


    Soweit mir das bekannt ist hängt das auch sehr stark von der Art des Propellers ab und Propeller sind, zumindest für mich, eine eigene Wissenschaft. Ich habs mal versucht zu begreifen, aber irgendwo zwischen Schub und Zug, Steigung, Neigung, Drehrichtung, Schlupf, Flügelzahl und Skew hat sich mein Hirn ausgerenkt. :D


    Bezüglich des Torqueedo... soweit mir bekannt ist kann der gleichzeitig laden und Leistung abgeben. Es spräche wohl also nichts dagegen den Akku im Betrieb an das Bordnetz zu hängen (so man eines hat) und damit die Laufleistung deutlich steigern. Torqueedo gibt ein bisschen damit an, dass mit dem Hauseigenen Solarpaneel eine Endlosfahrt bei 1,5 Konten möglich ist (oder so in der Richtung) aber das trifft glaub ich nur für ein Kajak auf einem See zu oder so. :P


    Damit ist er vermutlich noch immer nichts um 20 Seemeilen gegen einen Meter Welle und 7 bft Wind zu Motoren, aber zum Einen möchte man da glaub ich eh nicht unbedingt gegenan müssen mit einer VA 18, zum anderen vermeidet man denke ich überhaupt in so eine Situation zu kommen und bei Flaute kommt man ohne Welle und Gegenwind doch eigentlich recht weit mit dem Motor und eigentlich sind wir doch Segler und keine Motorbootfahrer oder? :D

  • Zitat von Schebun

    Ich bin sicher kein Hydrologe, aber ich kann den Ausführungen nicht folgen.


    Wenn, was ich nicht weiß, der Wasserwiderstand mit zunehmender Geschwindigkeit im Quadrat steigt sollte eigentlich gerade eben nicht mit doppelter Leistungsabgabe die dreifache Geschwindigkeit erreicht werden... oder? Geschwindigkeit 3, benötigte Kraft 3, Geschwindigkeit 6, benötigte Kraft 9 oder? Bei 2,3 PS = 1,2 Knoten und 5 PS = 3,8 Knoten wärs ja grad andersrum. Oder steh ich grad auf dem Schlauch und merke es nicht?


    Damit hast du natürlich völlig recht, da ich habe falsch rum gedacht :o


    Auf einem See ist das mit dem E-Motor wahrscheinlich gut machbar, an der Küste oder auf der Ostsee nur sinnvoll bei großem Adrenalinhunger. Natürlich fährt man nicht sehenden Auges in ein Wetter, dem das Boot (und mehr noch der Skipper!) nur schwer gewachsen ist. Will man das aber kategorisch ausschließen, bleibt man zu mindest am Jjsselmeer ab mehr als 4 Bf besser im Hafen. Für die Ostsee gelten deutlich verschärfte Bedingungen (siehe Stefan's Erlebnisse von 2012), von der Nordsee/Wattenmeer ganz zu schweigen.


    Es geht nicht nur um die Reserve zum nächsten Hafen sonder auch um die Bootsmanöver wie Reffen oder Segel wechseln selbst, die sich oft vor allem bei etwas mehr Welle nur und unter Maschine sinnvoll erledigen lassen. Gerade hier sollte das Boot auch unter schwierigen Bedingugen zuverlässig in den Wind drehen und bleiben können.


    Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf Stefans Erfahrungen mit seinem E-Motor auf der Osteee.


    lg,


    Reinhard

  • So, nun ist es entschieden:


    Ich habe mir einen (hoffentlich) guten, gebrauchen Mercury 2-Takter 5MLH gekauft. Der ist 10 Jahre jünger als mein letzter. Wenn er also noch mal 10 Jahre mitmacht, gibt es hoffentlich auch brauchbare E-Lösungen für etwas rupfigere Gewässer, oder endlich leichtere 4-Takter.


    Einen schönen Abend noch,


    Reinhard

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